Weltfußballer Ronaldo im ‚France Football‘-Interview

Cristiano Ronaldo
Cristiano Ronaldo (Foto: © Fanny Schertzer / CC-BY-3.0 / via Wikimedia Commons)

Cristiano Ronaldo, vor einer Woche zum Weltfußballer des Jahres 2013 gekürt, hat dem französischen Sportblatt France Football kürzlich ein Interview gegeben. Dort äußert sich der 28-jährige ausgiebig unter anderem zu der FIFA Gala, seine Ziele und seinen Charakter. Nachfolgend findet ihr die wichtigsten Auszüge aus dem Interview ins Deutsche übersetzt.

Über die Weltfußballer-Wahl 2013:

„Ich habe Wochen verbracht, in denen ich nervös war. Alle haben über den Goldenen Ball geredet. Ob ich ihn gewinnen würde, ob nicht, ob Ribéry der Gewinner wäre… die ganze Welt redete. Du versuchst, nicht zuzuhören, dennoch lässt du dich von den Diskussionen beeinflussen. Selbst meine Mutter hat mich regelmäßig gefragt ‚Wirst du gewinnen?‘. Heute fühl ich mich endlich ruhiger. Und ich bin darauf vorbereitet, noch besser als im vergangenen Jahr zu sein.“

Über seine Ziele:

„Es stimmt, dass ich ruhiger bin, aber das bedeutet nicht, dass ich aufhören werde zu arbeiten, um besser zu sein. Jedes Jahr ist eine neue Geschichte, ich werde mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Ich möchte mehr, sowohl mit Real Madrid als auch mit Portugal. Der Goldene Ball ist nicht das Maß aller Dinge, obwohl alle Spieler von ihm träumen“.

Über den Moment der Preisverleihung:

„Es war ein sehr emotionaler Moment, inbesondere als mein Sohn auf die Bühne kam. Das war bewegend. Und ich habe angefangen zu weinen. Und als ich die Tränen meiner Familie gesehen habe, habe ich sogar noch mehr geweint. Es waren ehrliche Tränen, authentisch. Um ehrlich zu sein, habe ich es nicht erwartet und in dem Moment habe ich mich sehr glücklich gefühlt. Für die Leute, die mich nicht kennen, muss das eine große Überraschung gewesen sein, mich so weinen zu sehen, weil sie mich auf dem Spielfeld immer ernst sehen. Für die, die das Leben mit mir teilen, bin ich eine natürliche und spontane Person.“

Über die Trophäe:

„Bis zwei oder drei Tage danach war ich mir der Konsequenzen, den Goldenen Ball gewonnen zu haben, nicht bewusst. Als sie mir die Trophäe gegeben haben, habe ich mit meinen Lieben diesen Moment genossen.“

Über den Alltag: 

Es ist nicht einfach, ein normales Leben zu führen, doch ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Ich hoffe, dass das alles etwas ruhiger wird und ich das alles etwas mehr genießen kann, wenn ich meine Karriere beende. Jetzt ist es nicht einfach. Das bedeutet nicht, dass ich nicht rausgehen kann. Ich habe noch nie ein Schild gesehen, auf dem „Cristiano verboten“ stand. Aber mir vorzustellen, in ein Einkaufszentrum mit meinem Sohn und meiner Freundin zu gehen und alle fünf Minuten zu stoppen, um ein Autogramm zu geben oder ein Foto machen zu lassen… Ich versuche es daher, öffentliche Plätze zu vermeiden und gehe liebe in ruhigere Lokale, in Restaurants mit versteckten Tischen. Auch gehe ich nicht in Hotels mit 500 Zimmern, sondern bevorzuge diskretere Einrichtungen. Ich werde versuchen, später zu genießen, wenn es einen anderen Cristiano an meiner Stelle gibt.“

Über seinen Charakter:

„Weil ich natürlich bin in allem was ich mache, versteht man mich nicht immer gut. Zweifelsohne habe ich mich falsch ausgedrückt, als ich bestimmte Sachen gesagt habe, nachdem ich ein Spiel verloren hatte. Meine Art zu sein, hat sich entwickelt, obwohl meine Persönlichkeit sich nicht stark verändert hat. Ich möchte mich stets verbessern und ich setze mich damit unter Druck. Ich bin Hochleistungssportler und hasse es zu verlieren. Ich möchte ständig der Beste sein, sowohl im Klub als auch mit der Nationalmannschaft. Das ist der Grund, aus dem es manchmal Missverständnisse gibt. Es war so in Manchester und es ist es auch in Madrid.“

Über den Goldenen Ball:

„Ich bin glücklich, aber das wichtigste sind die Titel mit der Mannschaft. Der Goldene Ball ist eine individuelle Trophäe und ich wollte ihn gewinnen. Auch Ribéry und Messi. Wenn die Titel es mir erlauben, ihn zu haben, genial. Aber wenn sie ihn mir nicht gegeben hätten, wäre ich heute der gleiche.“

Über den Kampf um den Goldenen Ball:

„Es gab eine große Anspannung. Es war kompliziert bis ich meinen Namen gehört habe. Ribéry hat ein hervorragendes Jahr absolviert und hätte ihn gewinnen können. Messi auch. Am Ende ging er an mich. Es war ein spektakuläres Jahr, mit vielen Toren. Ich wusste nicht dass ich gewonnen hatte, bis Pelé meinen Namen aussprach. Viele Leute denken, ich sei zur Gala gegangen, weil ich wusste, dass ich gewinnen würde, doch ich war jedes Jahr, in dem ich auf dem Podium stand, anwesend. Auch hat man erzählt, ich hätte meine Familie mitgenommen, weil wüsste, ich würde gewinnen, aber ich erinnere daran, dass sie in den drei Jahren dabei waren. Mein Sohn war das erste Mal dabei, weil er vorher zu klein war, um zu reisen. Es hat mich geärgert, dass gesagt wurde, dass man wisse, ich würde gewinnen, weil ich versichere, dass es nicht so war. Hätte ich es gewusst, hätte ich meine Dankesrede besser vorbereitet. Meine Reaktion war überrascht.“