Studie von L’Equipe: „Warum ist Cristiano Ronaldo so gewalttätig?“

Das französische Sportblatt L’Equipe hat eine Studie veröffentlicht, die der Frage auf den Grund möchte, warum Cristiano Ronaldo denn eigentlich so gewalttätig sei. Die Studie wurde veröffentlicht, nachdem der 29-jährige am Wochenende im Spiel gegen Córdoba nach einem Tritt die rote Karte gesehen hatte – es war bereits der neunte Platzverweis in seiner Karriere.

L’Equipe stellt klar, dass Ronaldo, verglichen mit den gewaltätigsten Spieler der Geschichte, ein „Chorjunge“ sei und nennt als Beispiel Gerardo Bedoya, der mit 43 roten Karten den Weltrekord inne hat oder, begrenzt auf den spanischen Fußball, Pablo Alfaro (25 rote Karten). Schaut man sich nur die absoluten Welt-Stars an, so mischt Ronaldo oben mit. Mit Zinedine Zidane gibt es laut L’Equipe nur einen einzigen Spieler, der bisher mehr Platzverweise hinnehmen musste, als Ronaldo, nämlich 14 (elfmal bekam der Franzose dabei direkt die rote Karte).

Sein „Debüt“ gab Zidane mit im Jahr 1993 mit diesem Ellbogencheck gegen Marcel Desailly:

Das französische Blatt relativiert allerdings und meint, dass es andere „exzellente Spieler“ gäbe, die mehr rote Karten gesehen hätten als Ronaldo und nennt Zlatan Ibrahimovic (12 rote Karten) oder David Beckham (10) als Beispiele.

Schaut man sich das Verhältnis zwischen Anzahl an Spielen und Anzahl an roten Karten, so liegt Ronaldo ebenfalls hinter ‚Zizou‘ auf Platz zwei.

Als Zidane im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland dem Italiener Materazzi den bekannten Kopfstoß gab, gab es einige, welche diese Tat mit den Provokationen von Materazzi rechtfertigten. Wie L’Equipe schreibt, führe „diese Theorie dazu, dass der angehäufte Druck, der auf den Schultern der großen Spieler laste und die Aggressivität ihrer Gegenspieler, entscheidende Faktoren wären, die sie anfälliger dafür machten, aus der Fassung zu geraten“.

Die Theorie lässt L’Equipe jedoch gleich im nächsten Absatz im Keim ersticken, indem sie auf die Anzahl an Karten verweist, die andere große Spieler im Laufe ihrer Karriere gesehen haben. So sah Pelé keine einzige (allerdings spielte er nur sieben Saisons nach 1970, jenem Jahr, in dem die rote Karte eingeführt wurde). Michel Platini und Franz Beckenbauer wurden ebenfalls nie des Platzes verwiesen. Maradona, dem laut L’Equipe „niemand vorwerfen kann, keinen Charakter zu haben“, sah „nur“ vier mal rot in seiner Karriere. Der Argentinier hält unter anderem den Rekord für die meisten Fouls in einem WM-Spiel (23 gegen Italien 1982) sowie für die meisten Fouls bei einer gesamten WM (Italien 1990).

Selbstverständlich darf auch der Vergleich mit Messi nicht fehlen. Wie man anhand der folgenden Grafik von L’Equipe sieht, werden beide Spieler in etwa gleich oft gefoult, doch der Argentinier hat im Vergleich zu Ronaldo in der Liga noch nie eine rote Karte gesehen. Ronaldo bekam zudem beinahe doppelt so viele gelbe Karten gezeigt, wie sein Erzrivale. Die Statistik berücksichtigt nur die Spiele ab der Saison 2005/06.

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